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Kürbis
Als Kind war
„mein“ Kürbis mein allergrößter Schatz. Mein Kürbis, auf dem
„Heidi“ drauf stand. Eingeritzt von meiner Großmutter und
mitgewachsen. Jeden Herbst wieder eine Überraschung. Ich weiß
nicht, vielleicht habe ich so die ersten Buchstaben lesen gelernt.
Zumeist war es ein
orangefarbener Kappenkürbis, der irgendwo im Vorgarten oder am
Misthaufen gewachsen war, vielleicht auch am „Fleck“ – dem
kleinen Gemüseacker für den Eigenbedarf. Sicher nicht im
Weingarten, dort hätten diese launischen Kürbispflanzen die
Ordnung gestört. Die Kürbisse waren Sache meiner Großmutter.
Frauensache eben. Spielereien. Nicht ganz ernst zu nehmen
neben den wichtigen Dingen im Weinbauernleben. Weit entfernt war man
damals davon, Kürbis selbst zu essen, sogar als Viehfutter hatte er
ausgedient. Degradiert zum „Hofnarren“, der geduldet wurde, wenn
er von selbst irgendwo aufging.
Jahre später habe
ich von meinem Großvater Ackerland geerbt. Ich begann, verschiedene
Sorten von Speisekürbissen anzubauen. Ließ mir Samen
aus aller Welt schicken. Erinnerte mich auch an die Freude zurück,
die mir die Kürbisse meiner Großmutter damals bereiteten. Nach
jahrelangen Versuchen mit Ritzgeräten, Ritzzeitpunkten und ähnlichem
habe ich dann meine beschrifteten Kürbisse zum Kauf angeboten. Als
Dekoration, die man auch essen kann, als kulinarische Visitkarte,
als Werbemittel aus der Natur.
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Durch
meine Tätigkeit bin ich immer weiter in die Welt des Kürbis
eingetaucht. Ich habe erkannt, dass ich es nicht einfach mit einem
Gemüse zu tun habe, sondern auch mit Traditionen, mit Geschichten,
mit Vorurteilen, mit Kontoversen. Mit einem Kultobjekt.
Mythen und Märchen spinnen sich um die „größte Beere der
Welt“. Der Kürbis gilt einerseits als Symbol für Fruchtbarkeit
und langes Leben, andererseits wird sein Name aber auch als
Schimpfwort benutzt. Für die einen gilt Kürbis als wertvolles
Nahrungsmittel, für die anderen nicht einmal als Viehfutter.
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2001 ist mein Buch „Kürbis –
vom Acker bis zum Kochtopf“ im NP-Buchverlag erschienen.
Wichtig ist es mir, darin zu zeigen, wie Pflanzen wachsen, und was
man aus ihnen machen kann; Kindern zu zeigen, dass Essen nicht im
Supermarkt entsteht. Daß ich dabei beim Kürbis viel weiter
ausholen konnte, als bei anderen Gemüsen, verdanke ich seinem
schnellen Wuchs, seiner unendlichen Vielfalt an Farben und Formen
und seiner langen Geschichte als eine der ältesten Kulturpflanzen
der Welt
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